räuchle als brauch und ritual im appenzellerland
diplomprojekt FS26
Eine gestalterische Auseinandersetzung mit dem «Räuchlen» im Appenzellerland – über Pflanzen, Rauch und die Suche nach Achtsamkeit.
Gesammelt in einem Buch, das auf essayistische und poetische Weise das schwer greifbare Dazwischen von Mensch und Natur erkundet. Im Zentrum stehen Menschen aus dem Appenzellerland, ihre persönlichen Zugänge zum Räucherritual sowie die Frage, wie Kräuter auf körperlicher, seelischer und kultureller Ebene auf uns wirken. Das Räuchern wird dabei als achtsame Praxis verstanden, die zu mehr Wertschätzung gegenüber unserer Umwelt anregt – eine Hommage an unsere Natur und Heimat.
Ich hatte am Anfang des Diplomsemesters zwei Ideen, mit welchem Thema ich mich befassen möchte: Kräuter oder Brauchtum. Ich habe mich da aufs Thema Kräuter festgelegt und bin nun bei einem Endprodukt, das beide Themen vereint.
In meiner Diplomarbeit habe ich ein Buch gestaltet, welches das Ritual und den Brauch des Räucherns festhalten soll, die heimischen Kräuter wertschätzen soll und etwas mehr Achtsamkeit und Dankbarkeit zurück in unseren Alltag bringen soll. In meinem Buch werden fünf Personen aus dem Appenzellerland portraitiert und interviewt. Sie alle teilen ihre Erfahrungen und ihre Gefühle zum Räuchern, entweder stark nach dem uralten Appenzeller Brauch orientiert oder individuell auf die eigenen Bedürfnisse angepasst. Begleitet werden die Portraits von erklärenden Texten zum Brauchtum, sowie zur Wirkung von Pflanzen und dem Räuchern. Auch meine eigene Einschätzung und Erfahrung wollte ich im Buch integrieren, da es doch auch ein persönliches Thema ist und ich durch die Arbeit nur noch stärker fasziniert bin von Wildkräutern, Heilpflanzen und dem Räuchern.
Ein prägnantes Gestaltungselement im Buch sind die jeweiligen Lieblingspflanzen der portraitierten Personen. Form und Farbe der Pflanzen sind die grafischen Elemente im Buch, das ansonsten vor allem mit Text gefüllt ist. Am Ende des Buches werden die Pflanzen in einem kleinen Index zusammengefasst, wo auch die jeweilige Wirkung der Kräuter aufführt wird. Die Farben sind nur auf der ersten und letzten Seite einer portraitierten Person sichtbar. Jede Person erhält einen Bogen, also 16 Seiten und die zugehörigen Farben werden am offenen Rücken sichtbar. In der Mitte der jeweiligen 16 Seiten wird ein zusätzlicher Bogen eingefügt, wo auf Transparentpapier die Lieblingskräuter dargestellt werden. Das Transparentpapier symbolisiert eine Überlagerung und das Zusammenspiel der Kräuter und visualisiert gleichzeitig den Rauch.
Als Schrift wird die Season Serif in zwei verschiedenen Grössen verwendet. Für eine weitere Hirarchisierung werden Italic- und Regular-Schnitt verwendet. Ergänzende und beschreibende Texte werden kleiner in der Season Sans gesetzt. Sämtlicher Text im Buch wird in einem Dunkelbraun gedruckt, um eine natürlichere und weichere Wirkung zu erzielen. Der Lauftext wächst jeweils vom unteren Seitenrand nach oben.
Zwischen den unterschiedlichen Inhaltstypen werden Zitat- oder Gedichtsseiten eingefügt, die in ihrer typografischen Anordnung an Rauch erinnern sollen, entweder stark zerstäubt, oder als gerade Säule.
Das Zerstäuben oder Verblassen wird auch grafisch auf den Titelseiten gezeigt, wie auch beim Cover. Das holzhaltige Papier Materica in dunkelbraun wird nach einiger Zeit ebenfalls verblassen und soll haptisch zur Thematik der Achtsamkeit passen. Auch der Inhalt soll durch das raue, ungestrichene Papier (Werkdruck Weiss 1.5) zu einem haptischen Erlebnis werden und dazu einladen, sich Zeit für das Buch zu nehmen. Dieses wird in einer Schweizer Broschur gebunden, um den Rücken sichtbar zu machen und so die einzelnen Abschnitte im Buch aufzuzeigen.